Anecdota

Laughter is the Best Medicine

Comedy für AfD-Wähler


Merkel muss weg. Kabarett – Kabarettisten erzählen halt das
was sie erzählen wollen einem Publikum, das sowieso dasselbe denkt. Und in Comedy ist es so, Comedians haben keine
eigene Meinung, sondern die schauen, dass sie möglichst das sagen, was das Publikum
denkt – also im Endeffekt keine Unterschied, ne? Aber so als ehrgeiziger Comedian muss man
sich halt sein Publikum ganz genau anschauen, um das zu sagen, was sie hören wollen – und
das macht man am Besten mit den Wahlumfragen, das man so einen Durchschnitt über die Bevölkerung
kriegt – und nach dem Wahlerfolg der AfD hab ich überlegt, ob ich mehr rechtsradikale
Gags mache. Sonst wäre ich ja Kabarettist. Weil das Ding ist, wenn jetzt ein 1/6-tel
meiner Gags frauen-, fremden- und schwulenfeindlich sind, dann wäre es ja Karneval. Und Karneval mag ich nicht. Ja, ja, genau, das hab’ ich erwartet, die
Reaktion ist schon bisschen komisch, dass anscheinend Fremdenfeindlichkeit okay ist,
aber Karnevalsfeindlichkeit geht gar nicht. Haben wir den AfD-Wähler hier? Ah, einer, lacht nicht, hihi. Das sag ich immer, könnt Euch umschauen,
AfD-Wähler, dass sind die, die nicht lachen. Sag ich zumindest. Wenn einer bei einem Scherz von mir, bei einem
Scherz von mir nicht gelacht wird, dann sag ich “Ah, ist’n AfD-Wähler”. Komischerweise nehmen
die in meinen Programmen zu. Ich überlege aber auch, was könnten so Gags
sein, die AfD-Wähler gern hören würden? Also dass man vielleicht ganz normale Witze
irgendwie ein bisschen verändert, damit sie dann passen, weiß ich nicht, ihr kennt ja
sicherlich den Witz von Fritzchen, den Luke Mockridge im Fernsehgarten erzählt hat, als
Fritzchen geht mit seiner Oma spazieren, sieht’n Groschen auf dem Boden wie ihn aufheben und
die Oma sagt “nein, nein, Fritzchen, was auf dem Boden liegt, das hebt man nicht auf!” und dann gehen sie weiter spazieren, und irgendwann
stolpert die Oma und fällt hin und liegt auf dem Boden und sagt “Bitte, Fritzchen,
hilf mir auf.” und Fritzchen sagt: “Nein, Oma, unwertes Leben gehört vergast.” Oder, weiß nicht, oder “Kommt ein Mann zum
Arzt, sagt der Arzt: Merkel muss weg.” Ich bin ja großer Fan von Merkel, also die
CDU find’ ich scheiße, aber Merkel find ich toll, ich bin großer Fan, die hat voll die
Probleme, aber die hat immer die guten Sprüche drauf, ne? “Wir schaffen das!”, hat sie gesagt, find
ich einen super Spruch, “Wir schaffen das! Yo, wir schaffen das!”, was für Bob der Baumeister
super ist, ist doch für die Politik genial? Ich mein, was soll sie denn sonst sagen? “Wir schaffen das nicht, wählt mich!”? Wir schaffen das! Ist auch nicht der einzige Spruch, den sie
gebracht hat, vor ein paar Jahren war sie mal in so ‘nem Interview, wo Schüler ihr
Fragen stellen durften. Und da war so ein 14-jähriges libanesisches
Flüchtlingsmädchen, das erzählt hat, also in sehr gutem Deutsch gesprochen, also besser
als Merkel auf jeden Fall – gefragt hat, es passe in der Schule so gut auf und seit drei
Jahren hier ist und fleissig ist und ihren Eltern aber jetzt die Abschiebung droht und
was das denn soll. Und Merkel hat damals noch so gemeint, “Kann
ja nicht jeder bleiben”und später im Interview in der Sendung hat das Mädchen dann da gesessen
und geweint. Und Merkel hat kurz die Sendung – also nicht
die Sendung abgebrochen, ist ja nicht Höcke – kurz das Interview unterbrochen und ist
zu dem Mädchen hingegangen und hat voll den legendären Satz gesagt, hat gemeint: “Och,
das hast Du doch prima gemacht, ich weiß, dass das eine belastende Situation ist, trotzdem
möchte ich Dich jetzt einmal streicheln.” Das hast Du doch prima gemacht, ich weiß,
dass das eine belastende Situation für Dich ist, trotzdem möchte ich Dich jetzt einmal
streicheln – das ist ein super Satz, den habe ich mir sofort gemerkt, den kann man in jeder
Situation anwenden. Wenn ich in einem Café bin und einen Espresso
bestelle und die Kellnerin kommt an und bringt mir den Espresso, dann sage ich “Das hast
Du doch prima gemacht, ich weiß, dass das eine belastende Situation für Dich ist, trotzdem
möchte ich Dich jetzt einmal streicheln.” Beim Antrittsbesuch bei Donald Trump, als
Merkel bei Donald Trump war, es war ein furchtbarer Tag für alle beteiligten, sie haben sich
nicht die Hand geschüttelt, am Ende bei der Pressekonferenz, warum hat sie da ganz am
Ende sich nicht zu Donald gedreht und gesagt: “Donald, das hast Du doch prima gemacht, ich
weiß, dass das eine belastende Situation für Dich ist, trotzdem möchte ich Dich jetzt
einmal streicheln. Ei ei.” Der wär so klein geworden! Hätte noch schnell versucht, irgendwohin
zu greifen – grab her by the pussy, ne? Hätte gemerkt: “Oh nein, Eier” Ist ja nicht die einzige Politikerin, die
Sprüche bringt, wir hatten mal einen Innenminister DeMaiziere und es wurde ein Fußballspiel
wegen Terrorwarnung abgesagt und da haben Journalisten ihn gefragt “Ja, warum wird das
denn abgesagt?” und dann hat er gesagt, auch wieder einen
legendären Satz: “Ein Teil der Antwort würde die Bevölkerung verunsichern”. Hammer-Satz! Den hab’ ich mir sofort gemerkt, den kann
man in jeder Situation anwenden. Wenn der Mann um 18 Uhr nach Hause kommt normalerweise,
heute kommt er mal um 23 Uhr nach Hause, hat ein bisschen Lippenstift am Kragen, ist ein
bisschen angeheitert und die Frau fragt: “Schatz, wo warst Du?”, dann sagt er: “Ja, ein Teil
der Antwort würde Dich verunsichern.” Und dann sagt die Frau natürlich: “Ach so,
ja dann. Das hast Du doch prima gemacht…”

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