Anecdota

Laughter is the Best Medicine


Deutschland streitet
über die Gesichtserkennung. Innenminister Horst Seehofer
ist eigentlich ein Fan davon. Er musste aber wegen
datenschutzrechtlicher Bedenken Abstand davon nehmen. Und abwarten, wie die öffentliche
Meinung sich entwickelt. Gesichtserkennung heißt: An öffentlichen Plätzen
wird mit Kameras gescannt. Man kann in Echtzeit
Menschen erkennen und mit Datenbanken identifizieren. Erst mal nichts Schlechtes. Wie oft habe ich das, dass ich jemanden treffe
und der Name fällt mir nicht ein? Da wäre Gesichtserkennung gefragt. Die Technik ist noch fehleranfällig. Es gab einen Modellversuch
am Bahnhof Südkreuz in Berlin: Gesichter von Reisenden
wurden gescannt und mit Daten
von 300 Freiwilligen abgeglichen. Da wurden schnell
Gesichter falsch zugeordnet. Wie das? Da sagt die Software: Durch den Bahnhof
geht der Fußballer Luka Modric. In Wirklichkeit
war es Beatrix von Storch. Oder man denkt,
man sieht Lothar Matthäus. Und es war
Karl-Theodor zu Guttenberg. Oder man meint,
man sieht Sid aus Ice Age. Es ist aber Thorsten Schäfer-Gümbel. Es kann im Ernstfall sein,
dass die Polizei jemanden als Terroristen identifiziert,
der gar keiner ist. Es gibt auch Programme,
die Emotionen wahrnehmen. “Da ist jemand am Bahnhof
sehr wütend – sicher ein Terrorist.” Dabei wissen wir alle: Dass man am Bahnhof wütend ist,
kann ganz andere Gründe haben. Umgekehrte Wagenreihung
reicht schon aus. Bislang nutzt die Polizei
in Deutschland nur Bilddateien
bereits ermittelter Straftäter. Damit werden
die Bilder der Kameras abgeglichen. Wo die Reise hingehen könnte,
zeigt die US-Firma Clearview. Das klingt wie was, womit man
in der Pubertät Pickel bekämpft. Die kleine Firma scannte über drei
Milliarden Bilder aus dem Internet. Drei Milliarden. Alles, was bei Insta, Facebook,
Google, Twitter verfügbar war. Was öffentlich zugängig war,
wurde automatisiert abgesaugt. Ohne Zustimmung der Nutzer. Stalker könnten mit der Software
Daten über ihre Opfer herausfinden. Arbeitgeber könnten Mitarbeiter
und Bewerber durchleuchten. Das könnte auch die Wirtschaft
nutzen für personalisierte Werbung. Es gibt in China schon Supermärkte, die scannen die Gesichter
aller Kunden. Die wissen dann fast alles
über die Leute, die reinkommen, und was sie wegen ihres Verhaltens
im Netz wohl kaufen. Da kommen Sie in ‘ner fremden Stadt
in den Supermarkt und die Kassiererin ruft schon: “Tag, Herr Müller,
Kondome sind hinten links.” Die Polizei leckt sich die Finger: Man nimmt auf einem öffentlichen
Platz Gesichter auf. Der Rechner zeigt in Echtzeit,
wer die Personen sind, und wo sie sich
sonst noch aufhalten. Im Stadion pöbelt einer
in der Kurve gegen Hertha BSC. Ein Knopfdruck – und man weiß:
“Der heißt Jürgen Klinsmann.” Klingt nach Science-Fiction, aber die Clearview-Technologie
wird schon vom FBI genutzt. Wie wird die Totalüberwachung
unser Leben beeinflussen? Darüber gibt’s ‘nen neuen Film. Extra 3 Pictures präsentiert:
Das Jahr 2030. Eine Welt ständiger Überwachung, voller Kameras
und automatischer Gesichtserkennung. Beim ersten Date. Sorry, ich bin zu spät.
Bus-Linie 5 verpasst. Das war, weil …
… du pinkeln musstest. Die Kamera hat dich erkannt. Kann man sehen, wohin …? Ja. Kann man alles sehen?
Wie machst du das? Du bist so ein Schwein! Ich bin weg. Ich ertrag das nicht.
Ich will meine Privatsphäre zurück! Ein Mann kämpft um sein Privatleben:
Mensch gegen Maschine. Aussichtslos –
bis er eine nie dagewesene Idee hat. * Türklingel * Hallo, Ihr Paket. Ich krieg ‘ne Unterschrift. Eine Idee, die alles ändert. Was haben wir denn da? Die Tragikomödie des Jahres. Beim ersten Date. Sorry, ich bin zu spät.
Weil du … Die Gesichtserkennung
funktioniert nicht. Ja, ich bin ein Unbekannter. Wenn die Liebe stärker ist
als jede Technologie und einem alles in die Hände fällt. Nicht erschrecken. Alles gut. Nehmen Sie das Geld.
Es ist nicht, wie’s aussieht. Nehmen Sie es. Echt? Danke. … und die Freiheit
grenzenlos scheint. Ist nicht meine Art. ‘tschuldigung. Hey, Schatz. Hier bin ich, Schatz. Welcher bist du jetzt? Ich bin’s. … ist zum Scheitern verurteilt. Pappkarton auf Kopf: Ruhe im Karton! Die Tragikomödie ohne Privatsphäre –
jetzt im Kino. Tschüss. Ein Film von Freddy Radeke
und Sebastian Rieth. Es wird interessant,
wenn die Kamera-Überwachung verknüpft wird
mit künstlicher Intelligenz. Algorithmen. Programme, die Muster erkennen
und draus Schlüsse ziehen. Unser ganzes Leben
wird von Algorithmen geprägt. Google speichert, was wir suchen,
errechnet daraus ein Profil und liefert personalisierte Werbung,
Amazon genauso. Streaming-Dienste speichern,
was wir gucken, und schlagen uns
nur noch ähnliche Sachen vor. Man guckt drei Horrorfilme, zack, kommt ein Trailer
für eine Doku über Trump. So erkennt künstliche Intelligenz Muster in den Aufnahmen
der Überwachungskameras. Die Kollegen von Welt.de
fanden Beispiele. Die Software lernt
und erkennt Verhaltensmuster. Beispiel:
Der Einsatz einer Schusswaffe. Der Algorithmus erkennt sie
und gibt sofort Alarm. Oder: Hooligans im Stadion. Die Künstliche Intelligenz
meldet eine drohende Schlägerei. Da würd man ohne Künstliche
Intelligenz nicht drauf kommen. Was ist da los – die haben Körperkontakt,
wälzen sich auf dem Boden. Wahrscheinlich Gruppensex. In England und den USA gibt es
Software, die Personen scannt. Und anhand ihrer Adresse, Ethnie
und ihrer Tätigkeit voraussagt, ob sie kriminell werden. “Predictive Policing”,
Vorausschauende Polizeiarbeit. Man wird
als potentiell kriminell eingestuft nach Hautfarbe, Geschlecht,
Wohnort und Beruf. Wenn man im Villenviertel wohnt, weiß ist, Mann
und bei der Bank arbeitet: Dann wird’s eng. Vielleicht werden bald
alle wichtigen Entscheidungen von Künstlicher Intelligenz
getroffen. Rodins Figur “Der Denker”
sähe heute so aus. Wenn man früher ein Date hatte,
ging man hin und war gespannt. Heute berechnet Google Maps,
wie lange man dahin braucht, bei Verspätungen die Alternativen. Restaurant-Apps berechnen,
wo man das Essen lecker findet. Tinder berechnet im Voraus,
wen man gerne treffen will. Booking.com sagt, in welchem Hotel
man am besten Sex hat. Wenn die Algorithmen
unser ganzes Leben kennen: Warum bleibt man nicht zu Hause und die Scheiß-Handys
treffen sich miteinander? Unser Algorithmus-Experte weiß mehr,
Heinz Strunk. Eine geheimnisvolle Macht
hat sich fast unbemerkt in unser Leben geschlichen:
die Algorithmen. Machen sie das Leben einfacher? Oder sind sie
ein perfides Machtinstrument für totale Kontrolle
über die Menschen? Wahrscheinlich beides. Nichts halten Konzerne so geheim
wie ihre Algorithmen. Programmierer sind die Alchemisten
unserer Zeit. Aber das muss nicht schlecht sein. Algorithmen präsentieren uns
in Sekundenbruchteilen alle verfügbaren Informationen
zu einer Sachfrage. Etwa: Wie viel Alkohol muss man trinken,
um fünf Promille zu erreichen? Aber Algorithmen
können gefährlich werden. Todesfalle Routenplanung! Viele Navigationssysteme
unterscheiden nicht zwischen Brücken und Fähren. Darum sind in Deutschland 2019
mehr als 500 Autofahrer ertrunken. Nur weil der Algorithmus
der schnellste sein wollte. Wollten Sie schon mal
eine Bombe bauen? Legen Sie bei Amazon
mal Wasserstoffperoxid in den virtuellen Warenkorb. Da schlägt der Algorithmus weitere
Zutaten für den Sprengsatzbau vor. Auch unausgereift
sind “Scoring-Systeme”, die Auskunft
über die Bonität des Kunden geben. Auch da entscheidet der Algorithmus, wer auf Rechnung einkaufen darf
und wer nur gegen Vorkasse. Kleinste Fehler lassen einen
im Ranking abstürzen. Petra F. aus G.: “Nur weil ich meine EC-Karte
falsch rum einsteckte, muss ich bei REWE
nun Eintritt zahlen.” Frührentner Günter T. aus D. hat per
Zufall einen Algorithmus entdeckt, der alle Algorithmen aushebelt. “Neulich gab ich bei Google
aus Langeweile Folgendes ein: Zahlen Mittwochslotto, Queen
Elizabeth, Russisch-Ei-Rezepte und DJ Ötzi Gewicht. Da ging bei meinem PC der Alarm los. Aber dann war Ruhe
und nun wird mir nur noch angezeigt, was mich wirklich interessiert. Ich kann wieder einkaufen,
was mir gefällt und mal mit Menschen sprechen,
mit denen ich nicht befreundet bin.” Er frickelte weiter, bis er hinter
den Facebook-Algorithmus kam: Brillengarage für vier Gestelle –
Öffnungszeiten Meldeamt – Salzgehalt Totes Meer – wieso sagt
man “bierernst”? – Mike Krüger Größe. Es kann so einfach sein. Ihre Hausaufgabe:
Legen Sie Instagram lahm! Einen schönen Abend.

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