Anecdota

Laughter is the Best Medicine

Jonny Fischer & Michael Elsener reden über Humor – DIE GUTE NACHT SHOW


Ich brachte in der Schulklasse teilweise dieselben Sätze wie auf der Bühne und in der Schulklasse sagten alle: Ach nein, Fischer, was willst du? Als ich abends den gleichen Satz sagte, waren alle so: Wow! Ihr spieltet gestern Abend in Luzern, im Zelt. Ja. Wie war es so? Es geht so. Was geschah? Wir wissen es nicht. Es gibt solche Abende, wo wir – wir sind sonst sehr bescheiden – aber gestern sagten wir in der Pause zueinander: Der Abend läuft saumässig gut. Aber die Leute merkten es irgendwie nicht. Auf was führtet ihr dies zurück, gestern? Normalerweise liegt es an einem selbst. Ich suche den Fehler auch immer bei mir. So ist es. Ich habe das Gefühl, dass momentan viele neue Leute uns entdecken, da wir mit dieser Show schon länger unterwegs sind und wenn man uns nicht kennt, braucht man zu Beginn etwas Zeit und schaut erst einmal – das mache ich ja auch – zu hat am Anfang die Arme verschränkt und wird mit der Zeit lockerer. Gestern wurde es auch ein bisschen besser. Was tut ihr dann? Gibt es so etwas wo ihr sagt: Plan A, Plan B, jetzt bringen wir die Nummer C. Nein, nein. Nummern umstellen können wir nicht. Man hat verschiedene Sachen, die man probiert. Am Anfang versuchen wir ruhiger zu werden, da man meist schneller wird. Genau. Am Anfang, wenn nichts von den Leuten kam, wurde ich immer schneller vor der Pointe und plötzlich konnten sie die Pointe nicht kapieren, weil ich immer zu schnell war. Genau. Dafür war ich in der Halbzeit schon jeweils fertig. Hat auch seine Vorteile. Hat auch seine Vorteile, ja. Langsamer werden, das ist das erste, dann kommt der Versuch, Stellung zu nehmen auf alles was man hört und sieht im Publikum – möglichst spontan, so dass die Leute merken, dass es nur am heutigen Abend so ist. Und wenn es auch nicht klappt, dann das Gegenüber zu verarschen beginnen und zum Lachen zu bringen in der Hoffnung, dass die Leute dann kommen. Gestern haben wir alles versucht! Und sie haben so quasi erst im Auto gelacht? Nein, aber es ist so eine typische Show, wo man hineinsitzt und denkt: Was ist los? Am Schluss stehen sie auf und sagen am Autogrammtisch: Es war der schönste Abend, ich habe noch nie so gelacht, wie heute Abend. Und du denkst… Das sind aber häufig – wenn ich in die Zuschauer blicke – man sieht sie ab und zu so dasitzen und es sind immer diejenigen, die später an den DVD-Stand kommen und sagen: Herr Elsener, ich habe also noch nie so viel gelacht. Es ist wirklich so. Dann denkst du, was die für ein trauriges Leben haben müssen. Dann stellst du dir ihr Leben vor, ja. Ist ja furchtbar. Arme Männlein… Wieviel von eurem Programm ist improvisiert? Das unterscheidet sich von Abend zu Abend. Ich meine, wir sind unterdessen bekannt dafür, dass man weiss, dass gewisse Sachen inszeniert sind. Stimmt, das weiss man mittlerweile. Das ist so. Es ist aber auch so, dass wenn man es wechselt… Es ist so, es ist immer ein wenig doof. Aber das gute ist, dass wenn ich es wirklich… Jetzt hast du dich nicht an den Text gehalten. Ich habe vorher aufgeschrieben, dass du jetzt einsetzest mit… Ja, das war spontan. Wir haben es den ganzen Nachmittag geprobt. Es wirkte wirklich echt bis jetzt. Ja, aber…es ist so, dass wir am Anfang nie so etwas haben, aber jeden Abend passiert irgendwas und wenn es sich wirklich lohnt, behalten wir es drin. Für uns und die Techniker – diese Show haben wir schon etwa 120 Mal gespielt – wir werden sie sicher noch zweimal so oft spielen. Das tut mir wirklich leid für euch. Ja ich weiss, es klingt jetzt – Nein, das ist wirklich beschissen, so erfolgreich zu sein. Es ist scheisse. Ja, nein, ich meine es nicht böse aber, verstehst du, wenn du 300 Mal… Ich finde es wahnsinnig toll, dass ihr 300 Mal den selben Text sprechen dürft. Eben, aber dann kommt der Moment, wo man sich gegenseitig verarschen muss, wo wir wirklich unser Ziel haben, dass es jeden Abend anders werden soll. Natürlich für das Publikum, aber auch für uns, damit es frisch wirkt, weil sonst wird es so… Es ist so. Ich war zur Beginn der neuen Saison im Zirkus Knie. Ich habe sie wieder vor einer Woche gesehen und es hat ihnen allen abgelöscht. Auch die Trapezkünstler improvisieren gar nichts mehr. Nein, nein. Gar nichts! Wirklich lahm. Ja. Das ist richtig. Nein, aber die haben wirklich… Aber auch, wenn ihr improvisiert seid ihr mittlerweile bekannt dafür, dass ihr es eigentlich inszeniert, dass ihr aus der Rolle fällt. Jetzt mal anders gefragt: Ist es auch, dass ihr das Publikum auch ein bisschen verarscht? Also, wenn du sagst – ich sitze dann im Publikum und denke, dass es jetzt ein sehr authentischer Moment war, was nur heute Abend geschehen kann – aber eigentlich fällt ihr immer aus der Rolle. Dann ist es doch… Das ist jetzt eine sehr unangenehme Frage. Darum dachte ich, ich stelle sie am Anfang. Es ist so, dass wir bekannt dafür sind, dass wir es tun, aber es ist nicht so, dass ich sage, dass alles was improvisiert ist, auch inszeniert ist. Sondern, wir haben einen Gag, wo wir sagen, da fliegen wir raus, aber wir haben jeden Abend, denke ich, von diesen inszenierten Sachen, sind am Schluss etwa 80% spontan und dies merkt man, wenn man mehrmals kommt. Ja, ihr müsst mehrmals kommen! Der Vorteil ist, dass die Leute nie wissen, ob es so sein muss oder nicht. Wir haben schon in Basel, vor 1800 Leuten im Musicaltheater gespielt… Das ist natürlich Kleintheater für euch. Nein, da sind wir auch richtig angespannt. Da gab es plötzlich einen Stromausfall und bei 1800 Leuten, wenn das Mikrofon nicht mehr geht, bist du aufgeschmissen. Die Leute begannen dann zu lachen und dachten: Nein, jetzt ziehen sie es durch. Immer länger! Geiler Gag. Du, eine Stunde. Richtig geil! Wir schwitzten, und alle waren am herumrennen und die Leute fragten am Schluss, ob wir das nicht jeden Abend mit dem Stromausfall machen könnten. Ja…klar…das gehört zum Spiel. Was magst du am Meisten, wenn du auf der Bühne stehst? Ich muss zuerst einmal sagen, dass ich kein geborener Bühnenmensch bin. Es gibt so Menschen, einen Marco Rima, der immer, in jedem Moment, auf einer Bühne ist. Im Alltag, im Kaffee… Im Restaurant. Es ist immer grad zack! Haha, bin gerade hingefallen. Absolut. Nein, bei jeder verdammten Rolltreppe fällt er hinunter. Du kannst nicht in den Supermarkt gehen. Aber er ist wirklich so, auch wenn man mit ihm eine Sitzung hat, ist der so und so bin ich nicht. Ich habe wirklich zwei Gesichter, das heisst, dass es auf der Bühne schön ist – ich kann dort etwas ausleben, was ich im Alltag so nicht kann. Im Alltag bin ich vielleicht höflicher, was ich auf der Bühne nicht bin, manchmal so richtig direkt und manchmal so richtig fies. Das bin ich im Alltag eigentlich nicht als Mensch. Das kann ich auf der Bühne ausleben und ich habe lange Unterricht gegeben und habe gemerkt, dass es eigentlich noch schön ist. Ich brachte in der Schulklasse teilweise dieselben Sätze wie auf der Bühne und in der Schulklasse sagten alle: Ach nein, Fischer, was willst du? Als ich abends den gleichen Satz sagte, waren alle so: Wow! Ja, genau. Man gab dir auch noch Geld dafür. Das ist wahnsinnig schön. Du hast es eigentlich begriffen. Ja, eigentlich schon. Wenn du aber nicht Komiker geworden wärst, wärst du Lehrer geblieben oder etwas Anderes geworden? Nein, ich wäre nicht Lehrer geblieben. Die Schüler wollten es zwar, die Eltern aber nicht. Es war wirklich so. Bekamst du Briefe? Vor allem von den Schülern, als ich gegangen war. In den Elterngesprächen hingegen wurde ich immer völlig auseinandergenommen, weil ich offenbar zu undistanziert war zu den Schülern, oder zu wenig Ernsthaftigkeit zeigte, oder weil ich das Schulsystem vor den Schülern in Frage stellte, der Religionsunterricht… Der kam bei gewissen Leuten in den falschen Hals. Deswegen wäre ich nicht Lehrer geblieben. Ich wüsste nicht, was ich sonst gemacht hätte, aber ich weiss, dass ich fast alles irgendwie erlernen könnte oder würde. Du hast ja auch schon viel gemacht, quasi in deinen Pausenzeiten. Du warst Tixi-Fahrer, du warst bei der Müllabfuhr tätig. Ja, in Baar. Zwei Mal habe ich auf einer Alp mitgeholfen und im Tagesheim, Demenzzentrum, in Baar, einen Sommer lang. Könntest du dir vorstellen, es abzutauschen? Nein, Herrgott, ich bewundere die Leute dort. Es braucht so viel Power und das einzige, was dort angenehm ist, auch wenn es doof klingt, ich habe manchmal, aus meiner Hilflosigkeit heraus, alles falsch gemacht und eine halbe Stunde später kann man wieder neu beginnen. Und… Und ja, es klingt blöd, aber es ist so.

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