Anecdota

Laughter is the Best Medicine

Mit Humor gegen Diskriminierung – Rollstuhlfahrer macht Stand-Up-Comedy | Klub Konstruktiv | SRF DOK


Wenn du als Rollstuhlfahrer jemandem in
die Beine fährst, sie entschuldigen sich jedes Mal. Sie gehen dann ganz erschrocken zur Seite
und stupsen den neben ihnen an. Und der geht dann auch zur Seite.
Und dann entsteht ein Weg. Seit ich das meinen Freunden erzählt habe,
nennen sie mich nur noch den Disco-Moses. Moses! Disco-Moses! Lasst mich durch, mein Volk will feiern. Werden Menschen mit einer Behinderung,
in der Schweiz behindert? Wenn sich die Leute einmal konkret überlegen würden:
Ist dieser Ort zugänglich. Das würde mir helfen. Ja, es gibt Benachteiligungen, welche Menschen
mit Behinderungen tagtäglich erleben. Es tut mir leid, aber es wird immer kälter und ich
muss die Winterpneus montieren. Lachen ist eine Art Reflex und man kann
damit sehr viel bewegen. Mein Name ist Eddie Ramirez,
oder Edwin Ramirez und… … ich mache Stand-up… Comedy. In meinen Performances geht es oft um Behinderten-
feindlichkeit m Alltag oder Alltagsrassismus. Eddie Ramirez!!! Es geht darum, die seltsamen Begegnungen,
die ich habe, zu verarbeiten und mit der Welt zu teilen. Da sehe ich eine hübsche junge Frau vor mir.
Und sie kommt auf mich zu und sagt: Ich bin die einzige hier, die dich versteht. Weisst du,
ich arbeite eben mit Blinden zusammen. Da muss ich ganz ehrlich sagen,
ich sehe den Zusammenhang nicht. Das heisst, ich spüre meine Beine, ich kann sie auch
bewegen, es tut einfach weh, wenn ich aufstehe. Ich bin in Zürich geboren und aufgewachsen.
Mein Vater ist die erste Generation, die hier ist, aus der Dominikanischen Republik.
Meine Mutter ist die zweite Generation aus Spanien. Sie haben sich hier kennengelernt.
Sie sind inzwischen geschieden, meine Mutter hat mich und meinen Bruder
alleine aufgezogen. Ich habe die kaufmännische Ausbildung gemacht
und arbeite inzwischen bei der Swisscom als Marketing-Assistent,100%. Das sieht ja geil aus, Alter! Wow, Eddie! Ich bin häufig im Ausgang. Wenn die Leute ein bisschen
was getrunken haben, dann werden sie mutig und beginnen, Fragen zu stellen.
Meistens nicht grad die klügsten Fragen. Zum Beispiel Dinge wie: Wie bist denn du hier runter gekommen? Und dann habe ich irgendwann entschieden:
Entweder ich gebe frech Antwort oder ich erfinde irgendwelche Sachen. Weil ich Batman bin. Ich habe dann diese Geschichten meinen Freunden
erzählt. Und die meinten: Das ist echt unterhaltsam, du solltest das einmal auf der Bühne versuchen. Manchmal kommen Leute und sagen: Hey, ich find das
super, dass du hier bist. Du bist so eine Inspiration. Dabei betrinke ich mich einfach und tanze
zu lauter Musik. Also ich finde das ja schon cool,
aber nicht soo weltbewegend. Sorry! Entschuldigung! Offroad-Eddie, Offroad-Eddie! Es geht darum, dass ich dort bin
und eine gute Zeit habe. Ich habe dir Bier über den Rücken geleert! Und dann wird aber immer wieder auf meinen Rollstuhl
reagiert und ich werde exotisiert. Und das ist so surreal, dass ich das irgendwie
verarbeiten muss. Und dann kommt das mit mir auf die Bühne. Wenn ich einen Freund oder eine Freundin dabei habe,
dann sehen uns die Leute und denken: Ah, das ist sein Betreuer, der passt auf ihn auf.
Und dann sagen sie zu ihm: Hey, es ist so stark von dir,
dass du ihn mitnimmst, ihm die Welt zeigst. Ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt
auf der Bühne machen will und kann. Wenn mir solche Dinge passieren, dann
muss ich das auch erstmal für mich verarbeiten. Und es ist auch wichtig, dass man sagen kann:
Ich will auch nicht über alles Witze machen. Es hat lange gedauert, aber ich sehe inzwischen meine
Behinderung als einen wichtigen Teil von mir, der einfach zu mir gehört. Weil er auch
meine Erfahrungen prägt. Viele Leute haben immer noch das Gefühl,
eine Behinderung sei etwas schlechtes. Die kommen dann und sagen: Es gibt da so eine
neue Behandlung, hast du schon gehört? Ich hoffe, du kannst dann irgendwann gehen. Und für mich ist es so: Ich will gar nicht gehen können.
Das würde mein Leben nicht zwingend verbessern. Vor allem würde das auch das Problem auf mich
abwälzen, anstatt dass man sagt: Ok, wir schauen jetzt, dass wir unsere Räume
zugänglicher machen. Ja, gehen wir einfach. Wenn sich die Leute ganz konkret überlegen würden,
ob ein Raum zugänglich ist, das würde mir helfen. Es muss von anfang an mitgedacht werden,
das ist das wichtigste. Aber auch, dass man auf uns hört, und nicht sofort
sagt: Nein, das können wir nicht machen, das ist zu teuer und aufwändig. Dann müssten wir alles
umkrempeln. Ich denke dann: Ja dann krempelt halt alles um. Also, es gibt noch viel zu tun. Wenn die Leute einen zweiten Rollstuhlfahrer im Club
sehen, dann drehen die Leute wirklich durch. Man könnte meinen, sie sehen gerade
zwei Einhörner aufeinandertreffen. Dann kommt immer jemand und sagt: Hey, hey, hast
du gesehen? Da drüben hat es eine! Und ich so: Ja klar habe ich sie gesehen,
sie ist die einzige, die mit mir auf Augenhöhe ist. Sprich doch mit ihr! Ihr habt so viel gemeinsam! Meine grosse Hoffnung ist, dass Leute merken,
dass Mitmenschen, die auf den ersten Blick anders sind, eigentlich gar nicht so verschieden sind.
Ich will die Leute aber auf jeden Fall zum Nachdenken anregen. Man kann schon einfach
Schenkelklopfer machen, das ist ok, aber dafür mache ich es nicht. Manchmal bin ich mir wirklich nicht sicher und
glaube nicht daran, dass sich die Gesellschaft so grundlegend verändern wird. Aber für mich ist klar.
Ich muss jetzt etwas machen, sonst drehe ich durch. Ob es klappt oder nicht, das weiss man nicht,
aber versuchen müssen wir es auf jeden Fall.

7 thoughts on “Mit Humor gegen Diskriminierung – Rollstuhlfahrer macht Stand-Up-Comedy | Klub Konstruktiv | SRF DOK

  1. Find ich super wie de s macht. Aber wie chunt mer uf die zahl, 1.8 mio Mensche mit Behinderig i de Schwiiz? 20% vo de Bevölkerig wüki?

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